
Große Brandenburger Regatta
11. Mai 2026Zwei Wochen vorher:
Die Vorfreude unter den Sportlern steigt. Wir fragen uns, wie wir alle mit dem Auto nach Cottbus transportieren können. Die begleitenden und kochenden Eltern treffen sich mit den Betreuern, um den Essensplan festzulegen und eine Einkaufsliste zu erstellen. Die Logistik ist immens. Kuchenspenden und Pkw-Plätze werden angefordert. Der Unkostenbeitrag wird auf 80€ für vier Tage Vollverpflegung und den Transport festgelegt.Â
Dienstag vorher:
25 K1, 16 C1, fünf K2, fünf C2, acht Schüler-K1, vier Schüler-K2, ein K4 und ein C4 müssen zusammen mit vier Wandereinern und einem Wanderzweier auf drei Hänger gequetscht werden. Dazu kommen Paddel für 60 Sportler, etliche Schwimmwesten, das Gestänge und die Planen für Küchenzelt, Mannschaftszelt und den Pavillon. Außerdem müssen sieben Biertischgarnituren mit und noch vier große Tische für die Küche. Für die Küche laden wir zwei Kühlschränke, zwei Gaskocher, einen Gasgrill, Kaffeemaschine, Wasserkocher, Besteck und Geschirr für über 60 Personen, Töpfe, Pfannen, Schüsseln, Wasserkanister, Wärme- und Teebehälter und vieles mehr in den VKD-Transporter. Für die Kurzweil haben wir Volleybälle, Fußbälle, Basketbälle, Handbälle, Frisbeescheiben, Tennisbälle, Kegel, Slalomstangen, Leibchen und Koordinationsleitern dabei.

Mittwoch:
Am Vormittag kaufen FSJler Lars und Rennsportkoordinatorin Marlen für 60 Personen Lebensmittel ein. Wir treffen uns um 15:30 und bringen mit: einen Koffer voller Sportsachen (obwohl manch einer meint, mit nur einer Hose und einem T-Shirt vier Tage Sport treiben zu können), Campingstuhl, Isomatte, Schlafsack, Badelatschen, Sportschuhe, Handtuch und Zahnbürste. Dank vieler Eltern und der Firma Kriegel, die einen großen Transporter zur Verfügung stellt, rollt die Karawane bald in Richtung Cottbus. In Windeseile werden dort die Boote abgeladen und auf die Wiese gelegt und unsere Zeltstadt errichtet. Leider nieselt es in der Kälte. Die abendlichen Stullen, belegten Schnitten, Käse- und Leberwurstbrote, offene Sandwiches und ähnliche Konstrukte werden von uns allen in atemberaubender Geschwindigkeit inhaliert.
Donnerstag:
Der erste echte Trainingslagertag. Wie jeder Tag, beginnt er mit der viertelstündlichen gemeinsamen Erwärmung. Zum Glück sind auf dem rutschigen Rasen nicht alle ineinander gerasselt. Auf dem Wasser geht es je nach Trainingsgruppe mit Sprints unter Videoaufnahmen los oder mit einer lockeren langen Einheit über acht Kilometer. Die Jüngsten müssen sich erst mit dem neuen Terrain, das viel einfacher, weil ohne Wellen, Wind und Strömung, zu bepaddeln ist, vertraut machen. In einigen Trainingseinheiten übernehmen unsere Junioren oder Jugendlichen die Gestaltung, in dem sie zum Beispiel den Rumpfkraftkreis ansagen.
Schnell finden wir uns im Trainingslagerrhythmus wieder: Frühstück, trainieren, zweites Frühstück, trainieren, Mittag, kurze Pause mit Videostudium, trainieren, Kuchen essen, trainieren, Abendbrot, Dehnung und/oder Videoauswertung. Manch einer findet, dass vier Trainingseinheiten pro Tag plus Erwärmung und Gymnastik nicht reichen und paddelt aus Spaß an der Freud abends noch eine Runde oder lässt den Fußball oder die Frisbee kreisen.
Freitag:
Der Blick aufs Wetter macht Bock auf mehr. Das Rahmenprogramm steht, wir füllen es mit Kilometern auf dem Wasser, Kilometern an Land, gezogenen Klimmzügen, gehobenen, geschobenen Gewichten. Manch einer fragt sich, warum es so anstrengend ist. Aber keine Sorge, niemand ist mit diesem Gefühl allein. Einige fühlen es früher, einige später, alle finden Blasen an den Händen gut. Manch einer bemerkt Blasen an seinen Blasen. Es legt sich eine Ruhe über das Camp und das Gemeinschaftsgefühl steigt, wir sitzen und knien alle im gleichen Boot. Die Küche läuft zu Höchstleistungen auf, um dem Effekt von viel frischer Luft, viel Bewegung und wenig elektronischer Spielzeuge durch Kalorienzufuhr entgegenzuwirken. Abends befinden wir uns in einer Zwickmühle: Wir sind müde und steif und wollen eigentlich ausruhen. Aber die Trainer fordern Gymnastik und man will natürlich sowieso nicht ins Bett, weil die Kumpels und Freunde ja viel interessanter sind als der Schlafsack.
Sonnabend:
Alle ehrlichen Arbeiter sind schon echt platt und wir freuen uns auf den Nachmittag. Hier findet immer unser Orientierungslauf statt, als auch das Team-Zeitpaddeln über 200m und die große Staffel. Groß und Klein müssen sich in vier Staffeln a 11 Sportlern zusammenraufen und durch das Spinnennetz krabbeln, Märchen kennen, die Tasche für das Trainingslager packen, über Fahrradständer balancieren, Socken und Schuhe wechseln und mit Frisbees in Ziele treffen. Die einen finden das Rennen zwischen den Stationen anstrengend, die anderen wissen nicht, was in eine Sporttasche gehört. Jeder hat seine Stärken und Schwächen, kann sich einbringen und wird gefordert.Â
Wie üblich endet die große Staffel (mit Staffelstabübergabe von einem wackligen Boot zum anderen) mit ein paar Kenterungen. Und danach, absolut schmerzfrei, versuchen sich die Kajakfahrer im Canadier und die Canadier im Kajak, es wird im Stehen gepaddelt oder mit dem falschen Paddel und das kalte Wasser der Spree ist gar nicht mehr kalt. Immerhin war danach die Dusche warm, zumindest am Anfang.
Sonntag:
Wir merken die Belastung. Der halbe "freie" Tag gestern hat uns allen gutgetan, war aber bei weitem noch nicht ausreichend. Wir quälen uns durch die letzten zwei Trainingseinheiten und sind danach stolz, es wieder einmal erfolgreich durch ein anstrengendes Lager geschafft zu haben. Die nächste Woche und der nächste Monat wird zeigen, ob wir die Dinge, die wir gelernt haben, auch auf der Elbe oder bei Regatten umsetzen können und wieviel schneller wir eigentlich geworden sind. Nach einem großen Teller Reis, Gemüse und Beefsteak, Kartoffelsalat, Tomatensalat und Milchreis mit Apfelmus ist die Energie wieder soweit hergestellt, dass wir Trainer, Sportler und die Küchencrew uns auf die drei Hänger und die Zelte verteilen können, um in Windeseile und mit kundigen Händen wieder alles einzupacken, zu laden und zu verstauen, was wir vor kurzem erst nach Cottbus geschafft haben.
Die Heimreise dauert wegen Stau etwas länger, aber das Aufräumen im VKD geht dank vieler fleißiger Hände rasend schnell. Hier nun, wie auch in der gesamten Unternehmung "Himmelfahrtstrainingslager" zeigt sich unser Kanuverein von seiner besten Seite. Es ist ein Verein(!), kein Fitnessstudio, kein kommerzieller Anbieter. Er lebt vom Engagement der ehrenamtlichen Übungsleiter, der Arbeit der Verantwortlichen im Verein, der Begeisterung und dem Einsatzwillen der Sportler, der Kinder und Jugendlichen. Wir sind abhängig von der Hilfe der Eltern, die, oft keine Mitglieder im Verein, durch Kuchenspenden, Hilfe beim Transport und in der Küche oder einfach durch ihr Interesse an den sportlichen Aktivitäten ihrer Kinder einen großen Anteil haben. Und wenn sich die Arbeit, soviel sie auch sein mag, auf viele Schultern verteilt, dann wird es einfach, dann bereitet es Freude, dann entstehen große Leistungen und schnelle Kanuten.Â
Sport freu!Â










































































































































































