
Wind in Zinnwald
21. Januar 2026Nomen est omen – die Eisbärenfahrt machte ihrem Namen in diesem Jahr alle Ehre. Acht Paddelboote lagen auf der verschneiten Wiese vor unserer Wehlener Hütte und harrten ihres Einsatzes – ein Anblick wie aus dem Winterkatalog für Abenteurer.
Bevor es jedoch aufs Wasser ging, stapften wir erst einmal tapfer hinauf zur Bastei. Die Felsenlandschaft war hübsch weiß gepudert, und die Wanderwege verwandelten sich bergab in veritable Rutschbahnen. Doch wer im Boot die Balance hält, verliert sie auch auf winterlichen Pfaden nicht so schnell. Unten heil angekommen, gerieten wir mitten in den traditionellen Schifferumzug im Kurort Rathen. Matrosenuniformen, stolz präsentierte Schiffsmodelle sowie „Fleckelhanswürste“ in bunten Stoffflicken und Brezelmänner, deren Jackett und Zylinder reich mit Brezeln bestückt waren, hüpften und zogen durch den kleinen Ort inmitten der Felsenwelt. Bereits zum 118. Mal wurde hier die Schiffertradition an der Oberelbe gefeiert – eine ebenso eigenwillige wie fröhliche Begegnung.
Zurück in Wehlen lockte der Schnee zu Schneeballschlacht und zum Figurenbau. Passend zur Fahrt entstand ein liegender Schnee-Eisbär auf der Wiese. In der Hütte wurde unterdessen gekocht und gespielt: Es gab leckeres Essen, und beim gemeinsamen Ausprobieren von zahlreichen Brettspielen wurde viel geraten und herzlich gelacht – der Abend verging schneller, als man „Eisbär“ sagen konnte.
Am nächsten Morgen wartete die nächste Herausforderung: das Einsteigen in die Boote ohne Steg. Niemand riss sich darum, mit nackten Füßen die Elbtemperatur zu testen. Deshalb halfen diejenigen mit Neoprenschuhen den anderen kurzerhand ins Boot. Schließlich griffen zehn Kanuten – der Jüngste gerade einmal acht Jahre alt – entschlossen zu den Paddeln. Auf der ruhigen, spiegelglatten Elbe glitten wir zwischen schneebedeckten Ufern elbabwärts. Nur aufgeschreckte Gänseschwärme stoben vor unseren Booten davon und durchbrachen die winterliche Stille mit lautem Flügelschlag und Geschnatter. Die eisige Luft ließ Wassertropfen auf Spritzdecken, Jacken und Handschuhen zu kleinen Kunstwerken gefrieren – ein echter „Eisbärentest“.
Nach knapp drei Stunden legten wir am Dresdner Bootshaus an. Dort erwartete uns unser „Logistik-Mann“ Volkmar mit Wintersteg und bester Laune. Er hatte Bootsanhänger und Gepäck sicher auf dem Landweg transportiert. Im Bootshaus köchelte bereits sein leckerer Gemüseeintopf, der nach dieser frostigen Fahrt nicht nur gut schmeckte, sondern uns auch zuverlässig von innen auftaute.
Ein herzlicher Dank geht an Martin und Denise Reuter, die diese rundum gelungene Eisbärenfahrt organisiert haben.
























