
Kadertest I – Laufen und Paddeln für die Norm
10. Oktober 2026Wenn die bunten Blätter fallen, die Nebelschwaden über dem Wasser wabern und die Fließe fast menschenleer sind, dann ist Zeit für unsere Spreewaldtour.
Die gemütlichen Hütten der Jugendherberge am Ufer des Köthener Sees und zwei ans Ufer getupfte Zelte beherbergen am ersten Oktoberwochenende die 13 Wanderfahrer aus Dresden, unter die sich eine fröhlich motivierte Drachenbootfahrerin mischt.
Nach einem morgendlichen Bad im Köthener See geht es am Sonnabend direkt in den unteren Spreewald. Nur wo ist der See? Vom Nebel verschluckt, steuern wir unsere zehn Boote in die weiße Suppe. Das Wasser ist spiegelglatt, die klatschenden Geräusche der Paddel sind gedämpft und das Ufer des Sees zeichnet sich als verschwommene Silhouette ab. Wir gleiten als Wasserwanderer über dem Nebelmeer.
Weiter geht es in den Randkanal, von da aus nach Groß Wasserburg, über den Puhlstrom und Quaasspree bis nach Schlepzig.
Allmählich lichtet sich der Nebel und macht Platz für eine zauberhafte Herbstbeleuchtung auf den Fließen. Angesichts der fast sommerlichen Temperaturen wird es in der Paddelkleidung zuweilen doch warm und das Spreewasser verschafft hier zumindest temporär Abhilfe.
In der Spreewaldbrauerei 1788 in Schlepzig machen wir einen kurzen Boxenstopp, ausreichend für ein Getränk hineingespühlt in die durstigen Kehlen. Am Anleger ist Gelegenheit für Spreewälder Köstlichkeiten in Kombination mit Wolframs leckerer Traubenernte, während die Sonne den Trockner für die nassen Klamotten anwirft.
Das Grillbuffet in der Jugendherberge erwartet uns pünktlich zum Abendessen und so schließen wir flugs die Runde über das Zerniasfließ mit der dazugehörigen Schleuse, über Schiwastrom und Puhlstrom zurück auf bekannten Wegen.
Nein, langweilig soll es bis zum Ende der Fahrt nicht werden. Wolfram zeigt unverhofft noch eine beeindruckende Performance auf dem Steg mit einhändiger Bootsjonglage an der Geländerstange. Uns stockt der Atem, doch der waghalsige Akrobat meistert die Übung bravourös.
Nach den absolvierten 24 km auf dem Wasser stärken wir uns an den Leckereien, die die Herbergsleiterin Babett und ihr Team für uns aufgetafelt hat. Wir lassen den Tag an dem lauschigen Plätzchen zwischen unseren Hütten in geselliger Runde ausklingen.
Am frühen Morgen scheint der Milchmann seine Kannen erneut über der Landschaft ausgeleert zu haben. Unsere bunten Boote werden im milchigen Weiß verschluckt und wir fühlen uns verzaubert in dieser Wattewelt. Fahrtenleiter Kai navigiert uns sicher vom Köthener See zum Dahme Umflutkanal, über die Doppelschleuse Leibsch und Hauptspree/Puhlstrom zur unteren Puhlstrom Schleuse.
Hier packen wir den mitgebrachten Proviant aus. Martin offenbart seine wasserbaulichen Fähigkeiten und steckt auch den Rest der Gruppe an, so dass der Paddler-Bautrupp eine Verblockung am Wehr mit vereinter Kraft löst.
Über Pfahlspree, Wasserburger Spree führt die Tour inklusive einer Bonus-Runde zurück zum Köthener See. In Groß Wasserburg kehren wir im Biergarten „Unterspreewald“ ein. Wie auch vor zwei Jahren, fühlen wir uns im Biergarten von Wolfgang Müller bei hausgebackenem Kuchen willkommen und laden noch etwas Saure-Gurken-Ballast in die Boote. Der Zielhafen ist nach 13 km feinster Spreewaldstimmung auf den Fließen nicht mehr weit. Mit schönen Erinnerungen im Gepäck treten wir am Nachmittag die Heimreise an.
Text. Beate Böhme
Fotos: Lea Mock, Martin Reuter































